Interview mit Stefan Hunfeld (Leitung)

Heilpädagogische Frühförderung

Stand: 01.04.2020
Fotografie Stefan Hunfeld

Stefan Hunfeld

Wie sah der Alltag in der Einrichtung vor zwei Monaten aus?

SH: An einem ganz normalen Arbeitsalltag fahren unsere Mitarbeiter/innen in die Familien der Kinder mit Beeinträchtigung und arbeiten mit den Eltern und Kindern vor Ort. Wir begleiten die Familien, damit Eltern und Kinder bestmögliche Unterstützung bekommen. Eltern sollen Möglichkeiten der Unterstützung sehen und Kinder passgenaue Unterstützung erfahren. Eltern und Kinder sollen zueinander finden. Wir betreuen Familien mit Kindern bis zum Schuleintrittsalter.

Wie viele Familien werden aktuell von Ihrem Dienst betreut?

SH: Zurzeit betreuen wir im nordöstlichen Kreis Warendorf 150 Kinder mit deren Familien.

Was hat sich seit Beginn der Corona-Pandemie verändert?

SH: Wir mussten uns als Team schnell zusammensetzen und überlegen, ob wir überhaupt noch rausfahren können und sind zu dem Schluss gekommen, dass das nicht mehr möglich ist. Auch die Familien wollten oftmals keinen Kontakt mehr im häuslichen Umfeld. Der Caritasverband hat schnell reagiert und besonnen gehandelt. Der Kontakt zu den Familien vor Ort musste, zum gegenseitigen Schutz, eingestellt werden. Unsere Mitarbeiter haben diese schnelle Entscheidung sehr begrüßt. Gemeinsam haben wir überlegt, wie wir mit der aktuellen Situation umgehen können.

Was machen die Mitarbeiter/innen der heilpädagogischen Frühförderung zurzeit?

SH:  Alle Mitarbeiter/innen arbeiten innerhalb des Caritasverbandes in anderen Einrichtungen: im Kinderwohnheim, in Wohnheimen der Erwachsenen-Behindertenhilfe oder sie bauen Überstunden ab. Einige haben auch Urlaub genommen. Wir haben aber auch zwei Mitarbeiterinnen, die über 60 und jetzt erst mal anderweitig finanziert werden. Wir haben unterschiedliche Möglichkeiten gefunden, so dass keiner in Kurzarbeit gehen muss.

Halten Sie den Kontakt zu den Familien?

SH: Alle Mitarbeiter/innen rufen regelmäßig die Familien an, einmal in der Woche mindestens. Die Eltern empfinden das nach wie vor als Unterstützung und fühlen sich in der aktuellen Situation nicht allein gelassen. Es ermöglicht ja auch darüber zu sprechen, wie es den Familien in der jetzigen Isolation geht, auch mit zwei, drei oder vier Kindern.

Findet der Kontakt nur über das Telefon statt oder nutzen Sie auch andere Kommunikationsformen?

SH: Zurzeit können wir ausschließlich das Telefon nutzen. Wir würden unsere Beratungsmöglichkeiten gerne erweitern, da wir in der Frühförderstelle ja ohnehin schon viel mit Videos arbeiten. Wir haben diesbezüglich eine Anfrage beim LWL gestellt, derzeit ist es aber leider noch nicht möglich. Wir hoffen natürlich, dass sich das im Laufe der Zeit ändert. Wie lange der aktuelle Zustand noch andauern wird ist ja völlig unklar. Also auch die Situation, dass wir nicht in die Familien fahren dürfen. Es ist uns daher schon ein Anliegen, dass es irgendwann eine Finanzierungsmöglichkeit gibt, um videogestützt zu arbeiten, über Skype oder über videogestützte Beratung nach „Marte Meo“. Die Möglichkeiten im Team sind da, derzeit gibt es aber keine Finanzierungsgrundlage.

Sind bereits Mitarbeiter/innen erkrankt oder in Quarantäne?

SH: Nein, wir haben keine erkrankten Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter, die sich in Quarantäne befinden.

Welche Rückmeldungen kommen von den Mitarbeitern/innen?

SH: Als klar wurde, dass die Frühförderstelle ihr Angebot nicht mehr aufrechterhalten kann, war sehr schnell eine große Offenheit und Bereitschaft da, in anderen Einrichtungen des Caritasverbandes mitzuarbeiten.

 Wie ist die Stimmung im Team?

Natürlich machen sich viele unserer Mitarbeiter/innen Sorgen, gerade diejenigen, die ältere Familienmitglieder oder auch Kinder haben mit einer Lungenerkrankung.