Pflegeportrait Anna Gryczka und Dominic Westphal
25 Jahre liegen zwischen ihnen. Ende April haben Anna Gryczka (49) und Dominic Westphal (24) ihre dreijährige Ausbildung als Pflegefachkraft erfolgreich abgeschlossen. Beide sind mit Begeisterung in ihrem Beruf tätig -obwohl es für sie die "Liebe auf den zweiten Blick" war. Gemeinsamabsolvierten sie den Berufseinstieg am Edith-Stein-Berufskolleg fürPflegeberufe in Warendorf, das vom Caritasverband im KreisdekanatWarendorf und dem St.-Josef-Stift in Sendenhorst getragen wird.
Dominic Westphal hatte zunächst die Fachhochschulreife Metalltechnik am Berufskolleg in Beckum erworben. Dann kam Corona und der bereits geschlossene Ausbildungsvertrag im Bereich Maschinenbau wurde seitens des Unternehmens gekündigt. Der junge Mann wollte Geld verdienen und jobbte in den Bereichen Bau und Industrie. Durch Zufall bekam er die Möglichkeit, sich auch bei der Notaufnahme in Beckum auszuprobieren. Und schnell spürte Westphal: "Das ist mein Ding." Die Arbeit in der Notaufnahme war der Einstieg für die Pflege-Ausbildung, die er kurz darauf am Beckumer Krankenhaus startete.
Auch Anna Gryczka fand auf Umwegen in die Pflege, denn eigentlich ist sie ausgebildete Reiseverkehrskauffrau. Weil es in diesem Bereich keine Teilzeitstellen gab, als ihre Kinder klein waren, arbeitete die heute 49-Jährige viele Jahre als Betreuungskraft für Menschen mit Demenz in einem Seniorenzentrum.
Die Motivation der beiden Pflege-Azubis ist unterschiedlich. "Ich suche Zukunftschancen", betont Dominic Westphal. Und er ist überzeugt: In der Pflege gibt es diese. "Wir haben gute Arbeitsbedingungen, ein gutes Gehalt und viele Möglichkeiten zur Weiterbildung." Anna Gryczka, die zunächst im Tourismus gearbeitet hatte, kann vergleichen. Und sie hat ihr Herz an die Pflege gehängt. "Man braucht schon Empathie in diesem Job", unterstreicht die Mutter zweier
erwachsener Kinder, die ihre Ausbildung im Seniorenzentrum Eichenhof in Warendorf begonnen hat. "Es ist ein toller Beruf", schwärmt Gryczka, denn dieser Job ermögliche ihr, Nächstenliebe in die Tat umzusetzen. Im Kern gehe es in der Pflege schließlich darum, Menschen in Krisensituationen zu begleiten.
Ohne die Erfahrung in der Notaufnahme hätte er keine Ausbildung in der Pflege begonnen, ist Westphal sich sicher. Der 24-Jährige möchte im Anschluss an die Ausbildung studieren und später selbst in der Pflege- Ausbildung tätig werden. In vielen europäischen Ländern wie Spanien und den Niederlanden würden die Inhalte nicht in einer Ausbildung, sondern in einem Studium vermittelt, ergänzt der junge Mann. "In Deutschland habe man dagegen Kranken- und Altenpflege zusammengefasst und sich für eine gemeinsame Ausbildung entschieden. "Das ist daher eine Menge Stoff, den wir uns in drei Jahren erarbeiten müssen", sagt Gryczka. In ihrem Fall lag die Schulzeit schon länger zurück, und die Ausbildung am Berufskolleg sei durchaus eine Herausforderung gewesen. Aber Spaß habe es gemacht.
Anna Gryczka liebt auch, dass die Menschen, die in der Pflege tätig sind, oft einen sehr unterschiedlichen Hintergrund mitbringen: beruflich, kulturell, aber auch was das Alter betrifft: "Die jüngste Auszubildende bei uns war 16, die älteste 60", lacht sie. Gebraucht würden sie alle. Schließlich sei die Pflege nicht nur ein schöner, sondern auch ein sicherer Beruf.