Zertifizierung für ganz besondere Gastronomiekräfte

„Service ohne Grenzen“

aus: Die Glocke – von Hans-Jörg Kraneburg

Kreis Warendorf / Freckenhorst (gl). Sie haben es geschafft – nach zweijähriger Ausbildung wurden sieben neuen Servicekräften im Gastronomiebereich die Zertifikate ausgehändigt. Das Besondere: Die Teilnehmer mit Handicap hätten diese Qualifizierung auf dem freien Arbeitsmarkt wohl nicht erreicht.

Jetzt können sie es: Den Betrieb und Speisen vorbereiten, Bestellungen aufnehmen, Gäste korrekt bedienen, Kassieren und das Arbeiten hinter den Kulissen. Die Freude über das Erreichte war unübersehbar.

obj0000009219926

Das vom Landschaftsverband geförderte Projekt „Service ohne Grenzen“ war bei den Freckenhorster Werkstätten auf dem Hof Lohmann angesiedelt – war, denn es ist vorerst ausgelaufen.

Der Geschäftsführer der Werkstätten, Antonius Wolters, erinnerte sich in der kleinen Feierstunde an die Anfänge: „Zuerst hatten wir es mit Praktika versucht, sehr schnell aber gemerkt, dass sowohl die Praktikanten als auch die Mitarbeiter dadurch überfordert waren.“ Schnell sei klar geworden, dass man eine gesonderte Qualifizierung braucht – auch mit dem Ziel, Menschen mit Behinderungen für den ersten Arbeitsmarkt interessant zu machen.

Projektleiter René Büscher hatte sie noch – zwei Pappschalen, auf die Bestellungen geschrieben waren: eine Cola, eine Fanta, einmal Nudeln. Heute arbeiten die Servicekräfte wie selbstverständlich mit dem elektronischen Ordergerät oder vorgefertigten Blöcken für diejenigen, die nicht so gut schreiben können. Und dann kam noch Regine Meier ins Spiel, die die Teilnehmer im wahrsten Sinn an die Hand nahm und sie fachlich und menschlich durch Hochs und Tiefs der Ausbildung begleitete. Da mussten im Umgang mit den Gästen Hemmschwellen abgebaut werden, wurde in Rollenspielen geübt, wurde die Speisenzubereitung erlernt und Hygienevorschriften gebüffelt – am Schluss standen mündliche, schriftliche und praktische Prüfungen. René Büscher: „Alle können sehr stolz auf das Erreichte sein.“

Wohlwollend begleitet wurde das Projekt von Dr. Monika Peters vom Integrationsfachdienst des LWL, der die Finanzmittel zur Verfügung gestellt hatte: „Im Schnitt können in NRW pro Jahr 100 Menschen aus dem Werkstattbereich in den allgemeinen Arbeitsmarkt integriert werden, nur 15 Prozent kommen zurück – das ist eine sehr gute Quote.“

Antonius Wolters hat nach dem Auslaufen des Projekts, das in absehbarer Zeit eine Neuauflage erfahren könnte, bereits weitere Ideen zur Qualifikation im Kopf: „Das könnte im Bereich unserer Verkaufs-Läden sein.“