Von der Theorie in die Praxis

Aus: Der Patriot – SO

Kreis Soest – Im Idealfall bietet einem die Familie Kraft und Rückhalt, aber wie allerorts steht der Haussegen auch schon mal schief. Vereinzelt gibt es aber auch besonders harte Fälle, in denen ein Zusammenleben von Eltern und Kindern nicht mehr in der bestehenden Form möglich ist – dann wird der Nachwuchs vorerst aus dem Familienverband herausgeholt und in Pflegefamilien oder Wohngruppen untergebracht.
Künftig noch besser zusammenarbeiten
Damit in diesem Bereich die Zusammenarbeit zwischen dem Kreisjugendamt, dem Jugendamt der Stadt Soest sowie zehn Trägern der ambulanten und stationären Jugendhilfe in Zukunft noch reibungsloser funktioniert, wurde das Modellprojekt „Rückführung in die Herkunftsfamilie“ ins Leben gerufen. Dieses wurde jüngst abgeschlossen – mit Erfolg, wie ein zugleich abgeschlossener Kooperationsvertrag der beteiligten Träger aus dem Kreis Soest verdeutlicht. Ziel dieser Vereinbarung ist nämlich die Selbstverpflichtung aller Projektteilnehmer, das Konzept zukünftig in allen geeigneten Fällen anzuwenden.

„Mit dem Modellprojekt haben wir auf jeden Fall einen Schritt nach vorne gemacht“, bilanzierte Jörg Lewe vom Kreisjugendamt im Gespräch mit dieser Zeitung. Zusammen mit Anke Spiekermann vom Jugendamt der Stadt Soest stellte er bei der jüngsten Abschlussveranstaltung im Sitzungssaal des Kreishauses das Projekt noch einmal vor. Während der Laufzeit von Ende 2012 bis Ende 2013 wurden in Arbeitsgruppen Handlungsempfehlung erarbeitet, die in den kommenden zwei Jahren in die Praxis umgesetzt werden sollen. Im Anschluss sollen evaluiert Daten und gesammelte Erfahrungen noch einmal bilanziert werden.
„Das Modellprojekt verfolgt das Ziel, bei Fremdunterbringungen eine gut vorbereitete und begleitete Rückführung in die Herkunftsfamilie zu gestalten“, erläuterte Lewe. Die Gründe, warum Kinder aus ihrer Familie herausgeholt werden müssten, seien enorm unterschiedlich und nicht mit stellvertretenden Beispielen zu beschreiben. Häufig seien es aber Erkrankungen physischer oder psychischer Art oder auch eine Drogensucht der Eltern, die dazu führten. „Aber jeder Fall ist anders“, fügte Jörg Lewe vom Kreisjugendamt hinzu.
„Eltern bleiben Eltern“
Bei allen Fällen identisch sei allerdings das Ansinnen, die Kinder wieder in die Herkunftsfamilie zurückzuführen: „Eltern bleiben Eltern“. Das Herausholen sei die absolut letzte Maßnahme und geschehe erst, wenn keine weiteren Optionen mehr bestünden. Wie schnell die Kinder wieder zurückkehren könnten, sei ebenfalls sehr unterschiedlich, so Lewe. In manchen Situationen sei es bereits nach einigen Wochen oder Monaten möglich, schwerwiegende Fälle könnten sich aber auch über Jahre ziehen. – so