Viele Probleme sind oft nur Missverständnisse

Interkulturelle Kompetenz

aus: Die Glocke, von Annika Reckeweg

Kreis Warendorf / Warendorf (gl). Was ist interkulturelle Kompetenz? Wie reagiere ich auf schwierige Situationen? Und ist es böse gemeint, wenn jemand meinen Handschlag nicht erwidern möchte?

Fragen wie diese standen bei der Fachtagung „Integration und interkulturelle Kompetenz“ des Kreis-Caritasverbandes am Montag im Mittelpunkt.

„Wir sprechen über verschiedene Kulturdimensionen und wie in der Gesellschaft damit umgegangen wird“, sagt Referent Wilhelm Stratmann. „Wir Menschen handeln immer auf Grundlage unseres Wissens, unserer Erfahrung und unseres Erlernten. Das ist aber nicht immer auf andere Kulturen übertragbar“, erklärt Stratmann. In anderen Kulturen gelten häufig andere Regeln und viele würden versuchen, die eigenen Standards auf andere zu übertragen.

In einer Situation, in der die Differenzen unterschiedlicher Kulturen aufeinandertreffen, sei es besonders wichtig, nachzufragen. „Erwachsene fragen oft nicht nach, sondern denken sich einfach ihren Teil“, so Stratmann. „Wenn jemand mir nicht die Hand geben will, dann muss das nicht böse gemeint sein, sondern kann auch Höflichkeit sein.“ Trotzdem denke jeder erst einmal, das Gegenüber meine es nicht gut mit einem. In 90 Prozent der Fälle können eine Frage und eine ehrliche Antwort das Problem aber ganz einfach lösen.
fachtag

Rund 100 Menschen nahmen an der Tagung teil. „Wir haben ein gemischtes Publikum hier: Leute aus verschiedensten Einrichtungen, von Hochschulen, der Polizei, Ehrenamtliche und auch Menschen, die sich einfach generell für das Thema interessieren“, berichtet Ulrike Klemann, Leiterin der Integrationsagentur. „Die Rückmeldungen in den Pausen sind super“, freut sie sich. Stratmann betont: „Es ist wichtig, die Kulturen zu kennen, die hier vertreten sind, um die Menschen verstehen zu können.“

Auf dem Programm standen zwei Vorträge zur interkulturellen Kompetenz, Kreativbeiträge wie ein Theaterspiel und eine Podiumsdiskussion. „Die Teilnehmer des Podiumsgesprächs erzählen alle ihre individuelle Geschichte“, so Klemann. Alle haben Integration selbst erfahren. Während Diskussionsteilnehmerin Nesrin Eyi die Türkei als ihre eigentliche Heimat bezeichnet, sieht Jesintha Sivapiragasam das anders: „Meine Heimat ist Deutschland und in Sri Lanka mache ich Urlaub. Und ich bin froh, in Deutschland zu sein.“