Projekt „LinaS“: Sport als Ansatzpunkt für Inklusion

aus: die Glocke
Warendorf (sin). „Beim Fußball sind wir alle gleich, wir wollen Spaß haben und zusammen Sport machen“, sagt Noah, ein Junge mit Epilepsie, in einem Interview für einen Kurzfilm zum Thema „Inklusion im Sport“, der im Rahmen einer Vortragsveranstaltung am Dienstagabend gezeigt wurde.

Wie können Menschen mit und ohne Behinderungen sich durch Inklusion in Vereinen und Sportgruppen im Kreis Warendorf näher kommen? Diese Frage stellten sich zahlreiche Interessierte aus Sportverbänden, sozialen Einrichtungen und Politikern bei dem Vortrag im Pfarrheim St. Marien. Das Projekt „Lingen integriert natürlich alle Sportler“ (LinaS) des Christopheruswerks Lingen ist seit mehreren Jahren ein Vorzeigeprojekt für erfolgreiche Integration und soll auch ein Vorbild für die Vorgehensweise im Raum Warendorf werden. Der Projektleiter Frank Eichholt berichtete von seinen Erfahrungen und Problemen, die mit der schwierigen Thematik einhergehen. Organisiert wurde der Vortragsabend von der Caritas, dem Kreissportbund und dem Haus der Familie. Seit der Verabschiedung einer UN-Konvention 2009 ist Inklusion zu einem zentralen Thema geworden, das zuvor lange gemieden worden war. „Doch seit dieser Konvention ist die Frage nicht mehr ob, sondern wie“, betonte Frank Eichholt. Dieser Ansicht ist auch der Kreis, der für die kommenden drei Jahre von der „Aktion Mensch“ finanzielle Unterstützung für das Projekt erhält. Obwohl LinaS kein Patentrezept sei, wie der Heilpädagoge Eichholt betonte, können die Verantwortlichen aus Warendorf viel davon lernen.


Die zentrale Idee ist es, die Menschen mit körperlichen und geistigen Behinderungen mitten in die Gesellschaft zu holen und ihnen die Möglichkeit zu geben, in einem Verein Breiten- und Leistungssport zu treiben. „Wir wollten ihnen den Sport anbieten, den sie wirklich machen wollen – und zwar mit professionellem Training in einem normalen Verein“, berichtete Frank Eichholt von den Anfängen. Das Interesse war enorm, und so entstand in Lingen eine Kooperation zwischen den sozialen Einrichtungen, den Vereinen, den Eltern und Ehrenamtlichen. Zwischen den Partnern bestehe eine Win-win- Situation, so der Projektleiter. Man wolle nicht nur nehmen, sondern auch geben.

Voraussetzung für das Gelingen des Projekts waren Gruppenleiter für ein breites Spektrum an Sportangeboten, die in kostenlosen Fortbildungen Wissen und Lizenzen zu medizinischen und psychologischen Problemen mit Behinderten erlangten. „Wir haben ihnen dadurch die Angst vor dieser ungewohnten Situation genommen und Motivation und Mut geschaffen“, sagte Eichholt. Der Aufwand habe sich gelohnt, die Ehrenamtlichen seien begeistert über die Dankbarkeit und die großen Erfolge, die LinaS erzielt.

Davon überzeugt zeigten sich auch die anwesenden Vertreter der Einrichtungen und die Veranstalter. „Natürlich ist LinaS ein ganz anderes Level als das, was wir mit unseren Kapazitäten erzielen können“, sagte der Präsident des Kreissportbunds Ferdi Schmal, „aber trotzdem haben wir jetzt noch mehr Motivation, das Denken in der Gesellschaft zu verändern“.