„Politik behandelt Offenen Ganztag stiefmütterlich“

Finanzierung der Nachmittagsbetreuung

aus: Die Glocke – von Anika Reckeweg

Warendorf (gl). An sieben Standorten unterhält der Kreiscaritasverband Warendorf Offene Ganztags-Einrichtungen (OGS). Seit den 90er-Jahren seien die Ansprüche gestiegen, die personellen Ressourcen reichten nicht mehr aus, sagt Josef Hörnemann vom Sozialmanagement des Verbands.

Dass es so nicht weitergehen kann, darüber sind sich die Beteiligten einig. Sebastian Wirtz leitet die Einrichtung unter anderem an der Overbergschule. „Wir schaffen das im Moment nur wegen des großen persönlichen Engagements der Mitarbeiter, die zuhause ehrenamtlich vor- und nachbereiten“, so Wirtz. „Was unsere Mitarbeiter hier leisten, kann man nicht erwarten und es ist nicht fair, ihnen das zuzumuten.“ Es fehle insbesondere an ausgebildeten Fachkräften.

„Früher war der Anspruch an die OGS, die Kinder von der Straße zu holen, heute soll ein Vielfaches getan werden: Das Optimum an Bildung, Förderung und Erziehung soll geleistet werden“, echauffiert sich Schulleiterin Veronika Hofmeister. „Was die Politik versäumt hat, ist, dass dazu eine Stange Geld gehört.“ Auch Caritasvorstand Herbert Kraft empört sich über die finanziellen und damit personellen Engpässe, die den Mitarbeitern zugemutet würden. „Die OGS wird von Seiten der Politik sehr stiefmütterlich behandelt, und die pädagogischen Ansprüche gehen weit über den ursprünglichen Gedanken hinaus.“ Die Caritas als Träger wolle nun ins Gespräch mit den Landtagsabgeordneten treten.

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Wichtig sei, dass die heutigen Aufgaben der Betreuer Fachpersonal erfordern. „Hier müssen Kinder Trauer bewältigen, manche Kinder müssen damit zurechtkommen, dass sie langsamer lernen als andere“, so Hofmeister. Wenn eine Person sich um 25 Kinder oder mehr kümmern müsse, sei es nicht leistbar, die Kinder entsprechend zu betreuen.

Ein großes Problem sei die fehlende rechtliche Regelung. „Für die OGS gibt es kein Gesetz, das Konzept basiert auf einem Erlass, der schon einige Jahre alt ist und nicht überarbeitet wurde“, erklärt Wirtz. Das entspreche nicht mehr den realen Aufgaben, mit denen die Mitarbeiter sich konfrontiert sehen.

Geflüchtete Kinder sollten in die OGS, um möglichst schnell Deutsch zu lernen. Dafür gebe es einen erhöhten Satz. „Da wird aber nicht einbezogen, dass die einen Rucksack mit Kriegserfahrungen mitbringen, die sie bewältigen müssen“, berichtete Wirtz. „Das ist Etikettenschwindel“, wirft Hörnemann ein.