Mit Trillerpfeifen für bessere OGS

Aus: Die Glocke Warendorf von Anicka Reckeweg
Schüler gehen auf die Straße
Ein gellendes Pfeifkonzert haben am gestrigen Mittwoch rund 400 OGS-Schüler anlässlich der Bedingungen der Nachmittagsbetreuung veranstaltet. Die Jungen und Mädchen zogen mit Trillerpfeifen, Plakaten und großen Transparenten ausgestattet in einem Sternmarsch durch die Innenstadt.
Schon Minuten vor der Ankunft kündigten sich die Schüler durch Trillerpfeifen und Parolen lautstark an. Fing es bei den Kleinsten mit „Wir wollen OGS“ an, skandierten ältere Schüler „Wir protestieren für die OGS“.

Zum Sternmarsch aufgerufen hatte die Landesarbeitsgemeinschaft der Spitzenverbände in der Freien Wohlfahrtspflege. Unter anderem die Caritas und die Awo sind Träger vieler OGS-Einrichtungen. „Vom März bis zum 12. Juli findet die Kampagne ,Gute OGS darf keine Glückssache sein’ statt, die wir ins Leben gerufen haben“, sagt Josef Hörnemann vom Caritasverband. „An der Reaktion der Kinder merkt man, wie notwendig die Verbesserung der Bedingungen ist“, hat er Mühe, gegen die Trillerpfeifen und Rufe der jungen Leute anzukommen.

… die ersten “Demonstranten” treffen ein. ( Foto Caritas)



Die Overbergschule, die Dechant-Wessing-Schule, die Laurentius-, Josephs-, Wilhelm-Achtermann- sowie die Everwordschule zogen aus verschiedenen Richtungen zum Vorplatz der St.-Laurentius-Kirche.

Das Problem sei nicht nur räumliche Enge, vor allem bei schlechtem Wetter, sondern auch ein Mangel an fachlich qualifizierten Betreuern, berichtet Sebastian Wirtz, Leiter der OGS an der Overbergschule. „Vor allem wenn Mitarbeiter krank sind, fehlt es überall an Händen“, beklagt Wirtz. Von insgesamt 14 Mitarbeitern seien zwei ausschließlich in der Küche tätig, und drei seien Praktikanten oder absolvierten einen Bundesfreiwilligendienst. Betreut werden in der Overbergschule 103 Kinder. „Für eine reine Betreuung reicht es, aber Konflikte zu klären oder etwas aufzuarbeiten, wenn ein Kind was nicht verstanden hat, das wird schon schwierig“, so Wirtz. „Eine reine Aufbewahrung ist die OGS schon lange nicht mehr.“

Die Schüler äußern ihre Unzufriedenheit, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen. „Es wäre gut, wenn die Gruppen kleiner wären“, sagt ein Schüler. Wirtz: „Wir haben den Jungen und Mädchen nur erklärt, was die Kampagne ist und dass wir hierher gehen und ein Lied singen. Alles, was sie hier rufen, haben sie selbst aufgeschnappt oder im Alltag miterlebt.“ Und prompt schallt es über die Straße: „Mehr Platz für die OGS!“

Zahlen & Fakten
Zum Schuljahr 2006 / 07 wurde erstmals an den Grundschulen der Stadt Warendorf der Offene Ganztag angeboten. Dabei hielt sich die Resonanz zunächst in Grenzen. An der Laurentiusschule wurden 34 von 261 Schülern angemeldet, an der Overbergschule 37 von 254, an der Josefschule 47 von 339, an der Dechant-Wessing-Schule 22 von 136 und an der Everwordschule 30 von 363. Bereits zum Schuljahr 2010 /11 waren die Zahlen an den Schulen der Kernstadt deutlich gestiegen: in der Laurentiusschule auf 80, in der Overbergschule auf 70, in der Josefschule auf 52. Für das aktuelle Schuljahr sind an der Laurentiusschule 70, an der Overbergschule 104 und an der Josefschule 89 Kinder für die OGS angemeldet.

An der Dechant-Wessing-Schule in Hoetmar ist die Zahl mit derzeit 24 Kindern stabil geblieben, die Everwordschule in Freckenhorst verzeichnete eine Steigerung über 51 (2013/14) auf 75 Kinder im Schuljahr 2016 / 17. Der Grundschulverbund Milte-Einen bietet erst seit dem Schuljahr 2014 / 15 eine OGS an. Am Standort Milte sind derzeit 24 von 72 Schülern angemeldet, in Einen 25 von 88 Schülern. (rik)