Mehr als ein soziales Hobby

In der Caritas mitzuarbeiten, ist für Ulla Breuer und Marianne Pottebaum selbstverständlich – warum eigentlich?

aus: WN – von Elmar Ries

Sich in der Caritas ehrenamtlich zu engagieren, ist für Ulla Breuer und Marianne Pottebaum mehr als nur eine schöne Freizeitbeschäftigung oder ein soziales Hobby. Es ist für die beiden Frauen eine Lebenseinstellung. Caritas heißt Nächstenliebe; anderen zu helfen, für Menschen in Not da zu sein, ist den 69 und 70 Jahre alten Frauen aus Warendorf und Ostbevern eine Selbstverständlichkeit.
Kleiderkammer oder Sozialkaufhaus oder Sozial­büro oder Besuchsdienste in Altenheim sowie Krankenhaus: Der Alltag der beiden Frauen ist durch das En­gagement für den Nächsten vielleicht nicht bestimmt, sehr wohl aber ausgefüllt: „Das ist für mich aktives Christsein“, sagt Pottebaum, die frühere Lehrerin aus Ostbevern. Und dann spricht sie von Papst Franziskus, der sich auch aktiv Armen und Benachteiligten zuwende. Das ist für sie Kirche pur.
So wie Breuer und Pottebaum engagieren sich allein im Bistum Münster knapp 10 000 Menschen – „zumeist Frauen“, sagt der Sprecher des Diözesanverbandes, Harald Westbeld. Bundesweit sind es rund 80 000. Das Erstaunliche: Während die Kirchen immer leerer werden, „bleibt die Zahl der Ehrenamtlichen in der Caritas nahezu stabil“.

Ulla Breuer, Marianne Pottebaum

Ulla Breuer, Marianne Pottebaum


Allein 100 sind es im kleinen Ort Ostbevern, auf „200 bis 300 Helfer“, schätzt Breuer die Zahl in der Stadt Warendorf. Das sind noch ganz solide Werte. Doch auch im ländlichen Münsterland hat es die Caritas nicht immer leicht, Nachwuchs zu rekrutieren „oder Menschen zu finden, die bereit sind, in der Caritas Verantwortung zu übernehmen“.

Zwar habe nicht zuletzt die Flüchtlingskrise gezeigt, dass es nach wie vor funktioniere, Menschen befristet für Projekte zu gewinnen – „da kommen dann auch solche, die nicht unbedingt etwas mit der Kirche zu tun haben“, sagt Pottebaum. Aber jüngere Frauen oder auch Männer langfristig auf die aktive Nächstenliebe zu verpflichten, „wird zusehends schwieriger“.

Breuer scheint das mehr umzutreiben als Pottebaum. Kein Wunder: „Bei uns auf dem Land funktionieren die Strukturen noch“, sagt die 70-Jährige. In der Stadt sehe das anders aus.

Stadt oder Land: Die Arbeit von Caritas und Co. sei nach wie vor notwendig. Das habe das vergangene Jahr deutlich gezeigt. Als sich Tausende Menschen ehrenamtlich um die vielen Asylsuchenden kümmerten. Die große Leistung: Kein einziger Flüchtling war obdachlos. Die Krise war eine Ausnahme, die allgemein größer werdende Not vieler ist die Regel. „Die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auseinander“, sagt Pottebaum. Auch, wenn sich viele genierten, Hilfe anzunehmen: Etliche von denen, die auf der Verliererseite stehen, klopfen irgendwann bei Breuer, Pottebaum und deren Kolleginnen an. Sei es in der Kleiderkammer, dem Sozialkaufhaus oder der Sozialberatung. Weil sie sich keinen Wintermantel leisten können, der Supermarkt zu teuer ist oder sie einen Kleinkredit zum Kauf einer Waschmaschine benötigen.

Hier helfen zu können, ist den beiden Frauen wichtig. Da sein, zuhören. Die Not des Gegenübers ernst nehmen, Christsein leben. „Unser Gesicht für die Kirche zeigen“, sagt Breuer irgendwann im Verlauf des Ge­spräches. Das sei auch Aufgabe von Caritas.

Elmar Ries