„Knoten“ mit Aussagekraft

einfachpunktmachenTeilnehmer des Projekts „einfachpunktmachen“ bringen sich in die Inklusionsdebatte ein

Aus den WN – von Vera Szybalski –

Die Jüngeren werden es nicht mehr kennen: einen Knoten im Taschentuch. Zu Zeiten, als es noch keine Handys gab, wurde der Knoten als Merkhilfe genutzt. Am Donnerstagmittag hat Josef Niehenke, Schulleiter der Heinrich-Tellen-Schule, diese veraltete Form des Merkens noch einmal reaktiviert. Aus einem besonderen Grund: Symbolisch sollen die Taschentücher mit Knoten an Landrat Dr. Olaf Gericke übergeben werden. An jedem Taschentuch hängt ein Zettel, auf denen stehen gelungene, aber auch verbesserungswürdige Aktionen zum aktuellen Thema Inklusion.

Die Idee dazu hatte die Internetprojektgruppe „einfachpunktmachen.de„. Fast 30 Leute arbeiten an dem Projekt mit, die meisten haben ein Handicap. Und ein großes Anliegen: „Keine Party ohne uns. Menschen mit besonderen Fähigkeiten sollen auch zu Wort kommen, wenn über sie gesprochen wird“, fordert Niehenke, der gleichzeitig Leiter dieses Caritas-Projekts ist, im Hinblick auf die Inklusionsdebatte. „Dabei merken wir auch, die Menschen mit Handicap können sich nicht so einbringen wie andere.“

Eine Form des Einbringens gab es beim Workshop in der Kreisverwaltung am Donnerstag. In kleinen Gruppen hat die Projektgruppe unterschiedliche Bereiche besucht, wie die Pressestelle, die Rettungsleitstelle oder die KFZ-Zulassungsstelle. Die Teilnehmer haben darauf geachtet, ob die Bereiche barrierefrei sind und ob die Sprache einfach ist. Positives und auch Negatives haben sie auf den Zetteln, die jetzt an den Taschentüchern hängen, festgehalten.

Auf die einfache Sprache achten die Projektteilnehmer auch auf ihrer Webseite „einfachpunktmachen.de“ Dort schreiben die körperlich und geistig Beeinträchtigten, die eigentlich in Einrichtungen wie den Freckenhorster Werkstätten arbeiten oder die Heinrich-Tellen-Schule besuchen, was sie kritisieren oder wovon sie träumen. Ein ganz wichtiger Aspekt ist dabei die Sprache, das wird auch bei der Vorstellung der Workshopergebnisse am Donnerstag in der Kreisverwaltung noch mal deutlich.

Niehenke: „Die Sprache ist ein großes Problem.“ Nicht nur, dass häufig keine einfache Sprache verwandt wird, die Worte „behindert“ oder „psychisch krank“ kämen körperlich Beeinträchtigten zuweilen wie Schimpfwörter vor. Dabei ist auch klar: „Die richtigen Worte zu finden für Menschen mit besonderen Fähigkeiten ist schwer.“