Kerzenproduktion ab September in Ahlen

Veränderungen bei den Freckenhorster Werkstätten
aus: die Glocke- von Susanne Enz
Ahlen (at). Mit einigen Monaten Verzögerung sollen in zwei Wochen die Bauarbeiten für die Erweiterung der Freckenhorster Werkstätten Am Neuen Baum beginnen (das „AT“ berichtete im September 2012). Darüber hinaus soll spätestens im September die Kerzenproduktion vom Standort Wolbeck nach Ahlen umziehen. Das hat der Sozialausschuss am Donnerstag bei seiner Sitzung in der Einrichtung erfahren.

Die zwei Gruppen für je acht schwerstmehrfachbehinderte Menschen, die im Anbau untergebracht werden sollen, sind laut Geschäftsführer Antonius Wolters im Grunde genommen bereits vorhanden. Sie werden aber provisorisch in früheren Besprechungsräumen betreut. Im Oktober oder November sollen sie in den Anbau ziehen.
Die Verlagerung der Kerzenproduktion nach Ahlen begründet Wolters damit, dass vielen dort eingesetzten Menschen mit psychischen Behinderungen die Eigenständigkeit fehle, um ihre Anreise aus dem Kreis Warendorf und die Verpflegung vor Ort selbst zu organisieren. Das sei in Wolbeck aber erforderlich. In Ahlen dagegen sei beides durch Busanbindungen und die eigene Kantine vorteilhafter geregelt.
Die Vorstellung der Einrichtung nutzte Wolters für ein Plädoyer für das System der Werkstätten, in denen Beschäftigte mit Behinderungen einen Lebensmittelpunkt fänden. Um Geld gehe es weniger. Der Verdienst liege im Schnitt bei 220 Euro pro Monat. „Aber die Absicherung der Menschen durch die gesetzlichen Regelungen ist gut genug“, betonte Wolters. „Was sie hier bei uns verdienen, ist im Grunde genommen ein Taschengeld.“
Seine Sorge sei, dass im Zuge der Inklusion sinnvolle Einrichtungen aus Kostengründen gestrichen würden. Er machte deutlich, dass er nur geringe Chancen für die Eingliederung der meisten Menschen aus den Werkstätten in den regulären Arbeitsmarkt sehe. „Wir haben nicht mehr die einfachen Industriearbeitsplätze“, sagte er. Und im Service-Bereich sei der Markt sehr eng, zudem gebe es dort oft Dumping-Löhne.
Auch im Ausschuss gab es skeptische Stimmen zur unbedingten Inklusion. „Wenn man bei der Inklusion in Detailfragen geht, sieht man gleich, dass da noch erhebliche Probleme auf uns zukommen“, sagte etwa Erhard Richard (CDU). Die alle Unterschiede missachtende Gleichbehandlung sei nicht der beste Weg. Vielmehr müsse es eine angemessene Ungleichbehandlung im positiven Sinne geben.