Hohe Ehre für Vermittler zwischen Kulturen

Yusuf Öz erhält Bundesverdienstkreuz aus:

Die Glocke, von Annette Blumenstein
Harsewinkel (gl). Der große Saal im Harsewinkeler Rathaus ist gestern voll besetzt gewesen: Mehr als 80 Menschen erwiesen Yusuf Öz die Ehre, als der 64-Jährige aus der Hand von Landrat Sven-Georg Adenauer das Bundesverdienstkreuz erhielt. Während der Feierstunde strahlte der Geehrte über das ganze Gesicht.

Mitbegründer der Gemeinwesenarbeit in Dammanns Hof, Diakon in der Syrisch-orthodoxen Kirche, aktiv im Bundesverband der Aramäer, engagiert im Dialog der Religionen in Harsewinkel – Yusuf Öz tanzt auf vielen Hochzeiten. Alle haben eins gemeinsam: seinen Willen, zu Frieden und Miteinander beizutragen. Vor allem die Integrationsarbeit, die der Aramäer mit deutschem Pass in Harsewinkel beruflich wie ehrenamtlich leistet, ist es, die vom Bundespräsidialamt als auszeichnungswürdig erachtet wurde.

Yusuf Öz

Seit mehr als 20 Jahren setze sich Yusuf Öz „unter hohem zeitlichen Einsatz für das Wohl seiner Mitbürger mit Migrationshintergrund ein“, so Landrat Adenauer. Er sei über ethnische und konfessionelle Grenzen hinweg durch seinen „unermüdlichen, weit über das normale Maß und seine Arbeitszeit hinausgehenden Einsatz vielen Migranten ein Brückenbauer“. Er sei ein Wanderer zwischen Nationen und Kulturen und werde „als Mensch mit viel Herz geschätzt“. Sein Name sei untrennbar verbunden mit Dammanns Hof. Dass dort heute viele Nationen friedlich lebten, sei mit „jahrelanger Meisterleistung in Kommunikation, Moderation, Konfliktbewältigung, Integration und Vertrauensbildung verbunden“. Ferner habe sich Öz als Vermittler zwischen den christlichen Kirchen sowie zwischen Christen und Moslems hervorgetan. „Du bringst die Menschen in Harsewinkel zusammen“, fasste es Bürgermeisterin Sabine Amsbeck-Dopheide zusammen.

Zu den Ehrengästen gehörten außer Vertretern von Politik, Kirchen, der aramäischen Gemeinde und dem Bürgerschützenverein mit Erzbischof Mattias Mayis (Warburg) und Bischof Dr. Hanna Aydin (Delmenhorst) auch hochrangige Vertreter der Syrisch-orthodoxen Kirche. Sie würdigten Yusuf Öz ebenso wie Freunde der Familie, Pfarrer Wim Wigger und der aus Dresden angereiste Friedrich Zempel, Harsewinkels Stadtdirektor von 1988 bis 1992 und ein Freund des Geehrten. Zur Integration habe Öz einen hervorragenden Beitrag geleistet. Er habe sie zudem mit seiner Familie selbst vorgelebt, betonte Zempel.

Yusuf Öz schilderte sichtlich gerührt, der Anruf des Landrats mit der Nachricht, er erhalte das Bundesverdienstkreuz, habe ihn in ein Gefühlschaos gestürzt: „Ich dachte 42 Jahre zurück – daran, wie ich als Student in München gelandet war, allein und mittellos. Die Auszeichnung heute ist nicht für mich allein – sie ist für alle, denen ich helfen konnte.“

Für Miteinander der Religionen und Nationen

Harsewinkel (amu). Yusuf Öz (64) wurde 1950 in Enhil in der Türkei geboren. Aufgrund der kriegerischen Auseinandersetzungen im Kurdengebiet floh er in den Libanon, wo er das Abitur machte. 1973 kam er nach Deutschland und studierte katholische Religion sowie Maschinenbau. Zunächst arbeitete er als Ingenieur. Von 1988 bis zum Eintritt in die Altersteilzeit 2012 war er als Angestellter des Caritasverbands Warendorf für die Sozialberatung und Betreuung von Menschen mit Migrationshintergrund in Harsewinkel zuständig.

Die Integration der Zuwanderer, insbesondere der syrisch-orthodoxen Christen, liegt Yusuf Öz seit jeher am Herzen. Besonders hervorzuheben ist sein Einsatz im Wohngebiet Dammanns Hof. Dort lebten ethnische und religiöse Gruppen Tür an Tür, die in ihren Heimatländern verfeindet waren – muslimische Kurden und Türken sowie christliche Aramäer. Hinzu kamen die Aussiedler. Als die Konflikte auszuufern drohten, wurde Öz gemeinsam mit anderen aktiv. 1991 gehörte er zu den Gründern des Arbeitskreises Gemeinwesenarbeit Dammanns Hof, der außer Sozialarbeit und einer Aufwertung der Wohnqualität auch ein friedvolles Miteinander erreichen wollte. Öz überzeugte die Skeptiker vom Bau eines Gemeinschaftshauses und der Bildung einer Bewohnervertretung.

Nicht nur für die Migranten, sondern auch für die Stadtverwaltung und die Politik wurde Öz Ansprechpartner in Integrationsangelegenheiten. Weil er mehrere Sprachen beherrscht, ist er außerdem als Übersetzer für den Kreis Gütersloh tätig.

Außerordentlich engagiert wirkte Yusuf Öz auch im interreligiösen Dialog. Er initiierte den „Gottesdienst der Nationen“, der jedes Jahr am Pfingstmontag unter Beteiligung aller christlichen Konfessionen stattfindet. Maßgeblich verantwortlich war er für die Kooperation der christlichen Kirchen in Harsewinkel unter dem Siegel der 2012 verabschiedeten Charta Oecumenica. Auch der Dialog zwischen Christen und Muslimen in Harsewinkel war ihm stets ein wichtiges Anliegen. So initiierte er das Projekt „Kulinarische Reise“. Seit 2007 ist er Mitglied des Vorstands der syrisch-orthodoxen Gemeinde Mor Augin in Harsewinkel, der 800 Menschen angehören. Federführend war Yusuf Öz 1985 an der Gründung des Bundesverbands der Aramäer in Deutschland beteiligt, in dessen Vorstand er viele Jahre aktiv war. Öz ist verheiratet und Vater von fünf Kindern.