Haus Unterberg schließt für immer

Caritas-Klinik für Suchtkranke stellt Betrieb ein
Aus der Glocke/Stefan Clauser

Beckum (gl). 30 Jahre lang wurden in der Fachklinik „Haus Unterberg“ Suchtkranke therapiert. Damit ist nun Schluss. Die Beckumer Einrichtung in Trägerschaft des Kreiscaritasverbandes schließt in diesen Tagen endgültig ihre Pforten.
Das bestätigte Caritas-Geschäftsführer Herbert Kraft gestern im Gespräch mit der „Glocke“. Grund für die Entscheidung, das Angebot einzustellen, sei die mangelnde Nachfrage gewesen. Von den ursprünglich 27 stationären Therapieplätzen für Männer und Frauen seien zuletzt nur noch durchschnittlich zehn belegt gewesen. Wie Kraft erklärte, waren die Opfer illegalen Drogenkonsums entweder durch Beratungsstellen oder direkt durch Justizvollzugsanstalten vermittelt worden.

Die Entscheidung darüber, welche Therapieeinrichtung gewählt wurde, lag jedoch immer bei den Betroffenen selbst. Zunehmend kam es laut Kraft daher zu einem Wettbewerb der Kliniken.
Die Caritas hat noch in jüngerer Zeit in das Haus selbst investiert und Personal eingestellt. „Wir haben immer gehofft: Das wird schon wieder“, sagt Kraft.

Die Hoffnung trog jedoch. Nicht zuletzt der Trend zu ambulanten Therapieformen ließ die Auslastungsquote weiter sinken. Über den Verbund „quadro“ ist die Kreiscaritas auch an einem solchen Konzept beteiligt. „Wir haben uns schließlich selbst Konkurrenz gemacht“, erklärt der Caritas-Geschäftsführer, der darauf verweist, dass nicht-stationäre Modelle nicht zuletzt für die Rentenversicherung als Kostenträgerin aus Gründen der Wirtschaftlichkeit interessanter sind.
Laut Kraft ist eine angemessene Fortführung ihrer Therapie für die letzten Patienten von Haus Unterberg sichergestellt. Die etwa 15 fest angestellten Mitarbeiter haben vom Caritasverband ein Übernahmeangebot erhalten und können in andere Einrichtungen im Kreisgebiet wechseln.
Der Gebäudekomplex in der Bauerschaft Unterberg soll möglichst übergangslos weiter für verbandliche Zwecke genutzt werden, wie Kraft ankündigte. Mittelfristig sei daran gedacht, eine Caritas-Einrichtung aus dem Bereich der Jugendhilfe dort unterzubringen.
Hintergrund
Mit der Einstellung des Betriebs von Haus Unterberg als Fachklinik für Suchtkranke schließt die einzige Therapieeinrichtung dieser Art im Kreisgebiet. Der Einzugsbereich des 1982 durch die Dekanats-Caritas Beckum gegründeten Hauses beschränkte sich jedoch nicht allein auf den Kreis Warendorf. Haus Unterberg fungierte als überregionale Einrichtung. Unter anderem fanden dort Männer und Frauen Aufnahme, die im Rahmen von Programmen wie „Therapie statt Strafe“ nach dem Entzug zur Reha nach Beckum kamen.
Das Konzept bewährte sich nach Angaben des Trägers. Die Rentenversicherung bescheinigte Haus Unterberg eine hohe Erfolgsquote.