Firmen helfen bei Kinderbetreuung

Rechtsanspruch für unter Dreijährige

Aus der Glocke, von Stefanie Helmers

Ennigerloh (gl). Mira drückt die Bananenstückchen mit ihren Fingern matschig, bevor sie sie in den Mund steckt. Jonas verteilt die Schokoladencreme seines Butterbrots großflächig auf seinen Händen und im Gesicht.

Ein niedlicher Anblick, finden die Erzieherinnen in der Caritas-Kindertagesstätte im Ludgerushaus in Ennigerloh. Fleckenfrei zu essen, das müssen Mira und Jonas noch lernen. Die beiden Einjährigen sind unter den 65 Kindern in der Tagesstätte die jüngsten.

Windeln wechseln, Schnuller geben und den Mittagsschlaf überwachen: Der Alltag in den Kindertagesstätten hat sich durch den Ausbau der Betreuung unter Dreijähriger stark verändert. Im alten St.-Ludgerus-Kindergarten in Ennigerloh waren zunächst keine so jungen Kinder untergebracht. Erst kurz bevor er im Jahr 2010 geschlossen wurde, wurde die Nestgruppe mit zehn Kindern unter drei Jahren eingerichtet. Dann zog die Kita ins Ludgerushaus um, und inzwischen gibt es dort 16 Plätze für die Kleinsten.

Eine notwendige Entwicklung. Denn ab dem 1. August muss das Land Nordrhein-Westfalen auch für Kinder ab dem ersten Geburtstag einen Betreuungsplatz anbieten – doch die angestrebte Quote von 32 Prozent (Bund: 35 Prozent) liegt in einigen Regionen in NRW noch in weiter Ferne. Die Stadt Ennigerloh aber wird sie mehr als gut erfüllen können, sagte Wolfgang Rüting, Leiter des Kreisjugendamts, auf Anfrage der „Glocke“: „Wir erreichen eine Quote von 43,7 Prozent.“

Seit drei Jahren gibt es in der Kita im Ludgerushaus ein Vorreiterprojekt dreier Unternehmen, das die Vereinbarkeit von Familie und Beruf fördern soll. Das Steuerberatungsbüro Senger & Kollegen, die Firma Rottendorf Pharma und die Volksbank Oelde-Ennigerloh-Neubeckum arbeiten mit der Caritas zusammen: Die Kita hält für Kinder der Mitarbeiter bis zu fünf Plätze frei. Als Gegenleistung unterstützen die Firmen die Kita finanziell. Sie zahlen beispielsweise das Gehalt der dort angestellten Motopädin zum Teil.

„Die Mitarbeiter haben so Planungssicherheit“, sagt Kita-Leiterin Sabine Herbring. „Sie können ihre Kinder morgens hinbringen und sie nach der Arbeit abholen. Und sie sind ganz in der Nähe, wenn das Kind etwa krank wird.“

Dieses Betreuungsmodell habe Zukunft, betont Wolfgang Rüting vom Kreisjugendamt: „Der Vorteil daran ist, dass es sich sehr flexibel organisieren lässt“, sagte er. „Die Betreuungszeiten orientieren sich an den Arbeitszeiten.“ Das Konzept der Großtagespflegestelle, an der sich ein Betrieb oder mehrere beteiligen, will der Kreis in den kommenden Jahren ausbauen. „Wir hoffen, dass sich viele Firmen finden, die mitmachen. Es ist kostengünstiger, als eine neue Kindertagesstätte einzurichten.“