Die guten Momente festhalten

Caritasverband organisiert Fachtag
Die videobasierte Methode „Marte Meo“ hilft bei der Erziehungsarbeit

Aus WN -Kreis Warendorf –
„Sehr gut!“ Stefan Hunfeld, Leiter der Heilpädagogischen Frühförderung beim Caritasverband stoppt das Video, das er sich mit einer Erzieherin ansieht. Dort war Moritz zu sehen, der mit einem anderen Jungen in der Spielecke einen Turm aufgebaut hat. Die beiden Jungen schauen sich zufrieden an, bevor sie den Turm unter Jubel gemeinsam einstürzen lassen. Vor einigen Wochen wäre es dazu nicht gekommen, da Moritz sehr zurückhaltend war und den Kontakt zu andern Kindern vermieden hat. Wenn andere Kinder mit ihm spielen wollten, reagierte er aggressiv und schlug schnell um sich. Auch gegenüber Erwachsenen verhielt er sich ablehnend und verschlossen.

Was hat sich verändert? Eine Erzieherin hat sich ganz gezielt um Moritz gekümmert und ihn mit Hilfe von „Marte Meo“ gefördert. „Marte Meo“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „aus eigener Kraft“. Entwickelt wurde das System zu Beginn der 80-er Jahre von der Niederländerin Maria Aarts. Der Leitsatz lautet: „Zeigen, nicht Erklären!“ Hilfsmittel ist die Videoaufzeichnung.

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Stefan Hunfeld, Leiter der Heilpädagogischen Frühförderung beim Caritasverband, wendet die videobasierte Methoden zunehmend intensiv in der heilpädagogischen Frühförderung an und freut sich, dass immer mehr Kollegen – auch in anderen Einrichtungen wie Kindergärten und Beratungsdiensten, sich zu „Marte Meo- Practitionern“ ausbilden lassen.

„Es geht bei der Arbeit mit Marte Meo immer darum, Gutes groß zu machen“, erklärt Hunfeld. „Indem Erwachsene zum Beispiel dem Handeln der Kinder folgen und benennen, was diese tun und fühlen werden Kindern Worte gegeben. Damit können sie ihre Gedanken und Gefühle teilen.“ Dies sei eine Grundlage, um mit andern in guten Kontakt zu kommen. Aber es gehe auch darum Kinder anzuleiten Aufgaben zu Ende zu führen. All dies seien Fähigkeiten, die ein Kind braucht, um spielfähig zu werden – wie Moritz.

Für Erwachsene sei es zunächst oft seltsam, sich zu filmen, aber sie gewöhnten sich schnell daran, und Kinder störe es eigentlich nie, haben Stefan Hunfeld und seine Mitarbeiterinnen festgestellt. Auch die Erzieherinnen in einem Kindergarten in Ostbevern erlebten unlängst, dass sie durch die videobasierte Arbeit den Kindern noch mehr Unterstützung und Begleitung geben können und mit vielen schönen Blicken der Kinder und Entwicklungserfolgen belohnt werden, die sie erst durch das Anschauen der Videos wahrnehmen konnten. Im aufregenden Alltag eines Kindergartens mit quirligen Jungs und Mädchen sei es sehr lohnenswert, einzelne Sequenzen noch einmal in Ruhe auswerten zu können.