Auszeit im Lummerland genießen

Kurzzeitpflege für behinderte Kinder will sechs weitere Plätze schaffen

Aus: WN, von Beate Kopmann
Ennigerloh – Für 85 Familien im Kreis Warendorf ist das Lummerland ein wahrer Segen. Das Haus in Ennigerloh nimmt Kinder und Jugendliche auf, die behindert sind. Das geschieht im Rahmen einer Kurzzeitpflege – etwa für einige Tage, manchmal auch Wochen. So wird den Eltern, die in der Regel Enormes leisten, um ihre Kinder glücklich zu machen, eine Auszeit ermöglicht. Weil es an Kapazitäten fehlt, regt der Förderverein des Lummerlands jetzt an, die Einrichtung um sechs Plätze aufzustocken.

Herbert Kraft vom Vorstand des Kreiscaritasverbandes (Träger der Einrichtung) unterstützt den Ausbau des Lummerlands. Schließlich ist der Bedarf hoch. Stets befinden sich Familien auf der Warteliste. Geplant sei ferner, auch die Altersbegrenzung anzuheben. „Derzeit bietet das Lummerland sechs Plätze für Kinder und Jugendliche zwischen zwei und 21 Jahren an. Wir wollen sechs weitere Plätze schaffen und die Altersgrenze auf 28 Jahre hinaufsetzen“, sagt Kraft.

Natürlich müsse erst der Landschaftsverband Westfalen-Lippe als Kostenträger seine Zustimmung geben. Dass dies verweigert werden könnte, befürchtet Kraft nicht. „Der Landschaftsverband hat Interesse daran, dass die Kinder so lange wie möglich zu Hause leben. Jeder Heimplatz wäre für den Staat deutlich teurer.“

Wie sehr die Eltern auf Unterstützung angewiesen sind, hebt Birte Stuckstedte, Leiterin der Einrichtung, hervor. „Wir erleben Eltern, die am Ende ihrer Kraft sind, wenn sie ihr Kind zu uns bringen. Manche sind froh, wenn sie nach einem Jahr einfach mal wieder eine Nacht durchschlafen können.“

Andererseits sei das Lummerland auch für viele Kinder etwas Tolles – gerade wenn sie schon etwas älter sind. „Jedes Kind schläft mit 14 Jahren auch mal woanders“, so Stuckstedte. „Und im Lummerland trauen wir uns, Sachen zu machen, die die Eltern oft nicht erlauben: etwa draußen zelten oder zu sechst im Wohnzimmer übernachten.“ So entstehe ein neues Gemeinschaftsgefühl. Nicht selten erlebten die Mitarbeiter im Lummerland deswegen Kinder, die fröhlich mit dem Koffer in der Hand kommen und hier die Auszeit von Zuhause genießen.

Beate Kopmann