Als Behinderter selbst im Ehrenamt tätig sein

aus: Die Glocke, von A. Sulz

Kreis Warendorf / Freckenhorst (ansu). „Viele Menschen sind ehrenamtlich tätig, um Menschen mit Behinderungen zu helfen. Als wir vor etwa zweieinhalb Jahren damit begonnen haben, uns mit dem Thema auseinanderzusetzen, haben wir uns überlegt: Das geht auch andersherum.“So beschrieb Lothar Berth die Geburtsstunde der Arbeitsgruppe Ehrenamt. Sie ist unter seiner Leitung im Rahmen des Projekts „Inklusion im Kreis Warendorf“, das von der Aktion Mensch finanziell unterstützt und erst vor wenigen Wochen im Café auf dem Hof Lohmann offiziell beendet worden war („Die Glocke“ berichtete), ents
So beschrieb Lothar Berth die Geburtsstunde der Arbeitsgruppe Ehrenamt. Sie ist unter seiner Leitung im Rahmen des Projekts „Inklusion im Kreis Warendorf“, das von der Aktion Mensch finanziell unterstützt und erst vor wenigen Wochen im Café auf dem Hof Lohmann offiziell beendet worden war („Die Glocke“ berichtete), entstanden. Nun sind an gleicher Stelle drei Projekte ausgezeichnet worden, die sich für den vom Caritasverband im Kreisdekanat Warendorf ausgeschriebenen Ehrenamtspreis beworben hatten. „Eine Herausforderung im Gesamtprojekt war die Idee, Menschen mit Behinderungen stärker für das gesellschaftliche Ehrenamt zu aktivieren“, erzählte Projektleiter Josef Hörnemann vom Caritasverband. „Wir wollten ihnen Möglichkeiten aufzeigen, mit denen sie inklusiv einen eigenen gesellschaftlichen Beitrag leisten können.“
behinderung und Ehrenamt

Dieser Aufgabe nahm sich damals federführend Lothar Berth an, der als Leiter der Everswinkeler Betreuungseinrichtung Haus St.Vitus und stellvertretendes Mitglied im Behindertenbeirat des Kreises prädestiniert dafür ist.
Bevor es zur Siegerehrung kam, stellten die Bewerber ihre Projekte noch einmal vor. Das gemütliche Beisammensein nach dem sonntäglichen 10-Uhr-Gottesdienst hat sich das Team des „Kirchenkaffee St. Marien“ in Telgte auf die Fahnen geschrieben, das jeden ersten Sonntag im Monat die Gemeindemitglieder zu Kaffee und Kuchen einlädt. Auch mehrere Bewohnerinnen der Westfalenfleiß-Wohnstätte gehören inzwischen fest zum Team. „Es macht so viel Spaß“, versicherten drei Vertreterinnen stolz.
Leiterin Birgit Röttgermann bestätigte die tolle Zusammenarbeit. Mittlerweile seien die neuen Helferinnen so gut integriert, dass man sich auch zu anderen Anlässen treffe.

In der Landschaftspflege und als Linienrichter unterwegs
Kreis Warendorf / Freckenhorst (ansu). „Wir arbeiten schon lange mit behinderten Menschen zusammen. Damals gab es nur das Wort Inklusion dafür noch nicht“, erinnerte sich Frank Böning, Zweiter Vorsitzender des Kreisverbands des Naturschutzbundes (Nabu). Für den Ehrenamtspreis hatte sich die Ortsgruppe Ennigerloh beworben. Dort bringen sich Bewohner der dort ansässigen Caritas-Wohnheime für den Naturschutz im gesamten Kreisgebiet ein. Tierschutz, Landschaftspflege und Streuobstwiesenunterhaltung sind nur einige Aufgaben, bei denen die inklusiven Kräfte mit großem Engagement bei Wind und Wetter im Einsatz sind. „Falls es heute ein Preisgeld gibt, sollten wir vielleicht über neue Gummistiefel nachdenken“, brachte Böning lachend an, nachdem ein inklusiver Helfer ausdrucksstark betont hatte, wie kalt es bei der Arbeit vor allem im Winter werden kann.
Zuletzt stellten sich Katharina Rielmann, Fußballerin beim DJK RW Alverskirchen, und Bernd Josef Ausber vor, der quasi selbst Hauptfigur des dritten Projekts ist. Der Everswinkeler ist seit 15 Jahren inklusiv als Linienrichter für die Seniorenmannschaft tätig. Auch die anderen Fußballteams unterstützt er tatkräftig. Kein Heim- und nur wenige Auswärtsspiele finden ohne ihn statt. „Und wenn er mal nicht kommen kann, meldet er sich vorher ab“, zeigte Rielmann die Zuverlässigkeit des hochgeschätzten Vereinsmitglieds auf. Der Verein habe großes Interesse, weitere Menschen mit Behinderungen auf diese Weise zu integrieren. Vor der Siegerehrung dankten Josef Hörnemann und Lothar Berth noch Klaus Oortmann von der Sparkasse Münsterland Ost, ohne deren finanzielle Unterstützung die Auslobung des Ehrenamtspreises nicht möglich gewesen wäre. Auch Weihbischof Dr. Stefan Zekorn galt der Dank der Initiatoren für dessen ideelle Unterstützung des Wettbewerbs. Der erste Platz würde mit 1000 Euro, der zweite mit 500 Euro und der dritte mit 300 Euro dotiert, hieß es in der Ausschreibung. Doch: „Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass wir keine Rangordnung festlegen können. Damit haben wir drei erste Plätze, die jeweils 600 Euro erhalten“, verkündete Berth zur Freude aller anwesenden Teilnehmer. So dürfte wohl neuen Gummistiefeln für das Nabu-Projekt, aber auch vielen anderen Anschaffungen für die drei Gruppen nichts mehr im Wege stehen.