Alkoholiker schockt Schüler mit seiner „Geschichte“

Drogenbeauftragte zu Gast bei quadro
aus den WN – von Beate Kopmann
Kreis Warendorf – Er geht voll in die Offensive. Timo Schüsseler ist trockener Alkoholiker. An den Folgen seiner Suchterkrankung wäre der 36-Jährige beinahe gestorben. Heute ist Schüsseler oft an Schulen unterwegs, um dort „seine Geschichte“ zu erzählen. Und die lässt die Jugendlichen nicht kalt.

Das schilderte Schüsseler gestern Mechtild Dyckmans, Drogenbeauftragte der Bundesregierung. Sie war auf Einladung des Bundestagsabgeordneten Reinhold Sendker in den Kreis Warendorf gekommen und sprach mit Vertretern von quadro (Sucht- und Drogenberatung caritativer Verbände).

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Zunächst hatte Thorsten Rahner (quadro) berichtet, wie sich die Arbeit der Sucht- und Drogenberatung in den zurückliegenden zehn Jahren entwickelt habe. So sei die Zahl der Klienten in diesem Zeitraum beispielsweise um 25 Prozent gestiegen. Nach wie vor bleibe Alkohol die Droge Nummer eins.

Auch deswegen war die Drogenbeauftragte an den Erzählungen Schüsselers interessiert, die sie sogar in den nächsten Jahresbericht auf Bundesebene einbringen möchte: als Beispiel für gute Prävention.

Schüsseler schilderte, dass er mitunter auch direkt von den Schülern angesprochen werde. So habe ihm eine 16-Jährige erzählt, dass sie bereits seit drei Jahren Alkohol trinke – auch schon morgens vor der Schule.

Er selbst habe wegen seiner Suchterkrankung keinerlei Stigmatisierung erlebt. „Die einzigen, die mich ablehnen, sind meine alten Saufkumpels.“ Zusammen mit Schüsseler will quadro-Mitarbeiter Hermann Wetterkamp die Arbeit an Schulen ausbauen. Bislang gar keine Rückmeldung gebe es in diesem Zusammenhang von den Gymnasien.

Die Mitarbeiter von quadro benannten im Gespräch mit der Politik noch einige „Baustellen“. So wünscht man sich beispielsweise den Ausbau der betrieblichen Suchtberatung in kleinen Unternehmen wie etwa Handwerksfirmen. Und auch von den Hausärzten, die in der Regel sehr nahe am Patienten seien, könnte mehr Unterstützung kommen.