Interview mit Tobias Mörth (Schulleiter)

Heinrich-Tellen-Schule

Stand: 09.04.2020

Wie sah der Alltag in der Heinrich-Tellen-Schule vor zwei Monaten aus?

TM: Jeden Morgen kommen hier um 8:00 Uhr 115 Schüler/innen an. Die strömen dann in die Eingangshalle und verteilen sich von da aus in den Klassen und Stufen. Die Schüler/innen haben montags bis donnerstags von 8:00 bis 15:00 Uhr und freitags von 08:00 bis 12:45 Uhr Unterricht. Unsere Schüler/innen erleben den ganz normalen Schultag einer Förderschule mit sämtlichen Unterrichtsfächern, Mittagessen und weiteren Angeboten.

Wie viele Schüler/innen werden an der Heinrich-Tellen-Schule unterrichtet und wie viele Lehrer/innen arbeiten dort?

TM: 115 Schüler/innen gehen auf die Heinrich-Tellen-Schule und werden dort von 32 Lehrer/innen, 24 Schulbegleitern/innen, zwei Lehramtsanwärtern und einer Fachlehrerin in Ausbildung begleitet und unterrichtet. Zu unserem Team gehören darüber hinaus unsere Sekretärin, unser Hausmeister und unsere Hauswirtschaftlerin.

Was hat sich seit Beginn der Corona-Pandemie verändert?

TM: In den Tagen vor der Schulschließung haben wir schon einzelne Veranstaltungen abgesagt. Die Gesamtsituation hatte in der Elternschaft, gerade bei Eltern mit schwerstbehinderten Kindern und Kindern mit chronischen Vorerkrankungen, große Sorgen hervorgerufen. Auch unter den Schülern/innen war das schon Thema. Am Freitag (13.03.20) kam dann die offizielle Meldung, dass am Montag und Dienstag in den Schulen nur noch eine Notbetreuung stattfindet und am Mittwoch dann die Schulschließung ansteht. Wir haben also den Schulbetrieb von 100% auf nahezu 0% heruntergefahren.

Was machen die Lehrer/innen jetzt?

TM: Am Dienstag vor der Schulschließung haben wir eine Konferenz abgehalten, an der die Kollegen/innen, die 60 Jahre alt sind und Kollegen/innen mit Vorerkrankungen, die zur Risikogruppe gehören, schon nicht mehr teilnehmen konnten. In der Konferenz haben wir beschlossen, was wir machen können, um uns mit den Eltern und den Familien neu zu vernetzten, um den Kontakt weiterhin aufrecht zu erhalten. Wir haben uns darauf verständigt, dass wir die Familien und unsere Schüler/innen weiterhin begleiten, dass wir sie regelmäßig anrufen und per E-Mail den Kontakt aufnehmen. Wir haben einen Newsletter entwickelt, mit aktuellen Informationen zur Krise und Infos zum Schulbetrieb, aber auch mit Ideen gegen Langeweile, Web-Tipps und Grüßen an die Geburtstagskinder. 9 Newsletter wurden bis jetzt verschickt. Darüber hinaus haben die Lehrer/innen an Bildungsplänen gearbeitet und Lernkonzepte weiterentwickelt – Themen, für die im Schulalltag oft nicht ausreichend Zeit vorhanden ist.

Stehen die Lehrer/innen auch in den Osterferien mit den Schülern/innen in Kontakt?

TM: Wie alle anderen Schulen auch, haben wir unsere Schüler/innen vor den Osterferien mit Unterrichts- und Beschäftigungsmaterial versorgt und individuelle Lernpakete geschnürt, die per Post oder per E-Mail rausgegangen sind. Im gleichen Zug haben wir uns dazu entschieden auf unseren Onlinekanälen, also auf der Homepage, auf Facebook und Instagram verschiedene Videos zu veröffentlichen. Am Anfang, waren das einzelne Videos. Mittlerweile veröffentlichen wir jeden Tag 3-4 Videos mit Bastelanleitungen, mit Musik oder mit Gebärden des Tages, aber auch lustige Videos. Total schön ist, dass die Schüler/innen uns über diese Kanäle auch Bilder und Texte von sich schicken, die wir online stellen dürfen. Auf diesem Weg halten zu vielen Familien den Kontakt. In den Osterferien bieten wir keine Lernmaterialien im klassischen Sinne mehr an, da die Schüler/innen jetzt Ferien haben und die freie Zeit, so gut wie es in dieser Krisenzeit möglich ist, genießen sollen. Ideen zur Beschäftigung und einzelne Videos auf den Onlinekanälen gibt es aber weiterhin.

Wie wichtig ist es den Kontakt zu den Familien aufrecht zu erhalten?

TM: Die Familien sind natürlich, so wie wir alle, in großer Sorge. Wir haben als Schule eine doppelte Funktion. Auf der einen Seite haben wir eine klassische Bildungsfunktion. Alle unsere Schüler/innen sollen sich so viel Wissen aneignen, wie sie es vor dem Hintergrund ihrer Fähigkeiten schaffen. Auf der anderen Seite haben wir natürlich auch eine entlastende Funktion für Familien. Die Kinder sind sehr lange hier und verbringen einen Großteil ihrer Zeit hier. Wir fühlen uns daher in der Verantwortung, die Familien dabei zu begleiten, möglichst gut durch diese Tage zu kommen. Es gibt viele Fragen und Sorgen, die wir durch den Kontakt versuchen etwas aufzufangen. Wir erreichen natürlich nicht alle familiäre Bereichen, können aber doch gemeinsam überlegen, wie die Tage gestaltet werden können. Darüber hinaus haben uns die Eltern auch zurückgemeldet, dass wir gerade durch unsere Videos ein bisschen Freude abseits von Corona in die Familien bringen. Dass viele Kinder und Jugendliche drauf warten, dass unsere Videos online gestellt werden. Sie sehen dann bekannte Gesichter, freuen sich und haben ein gutes Gefühl, außerhalb dieser Krisenzeit. Für uns ist das natürlich auch ein tolles Feedback mitgeteilt zu bekommen, dass es wichtig ist, was wir machen.

Sind schon Lehrer/innen oder Schüler/innen erkrankt?

TM: Nein, aktuell haben wir keine erkrankten Schüler/innen oder erkrankte Mitarbeiter/innen, soweit uns bekannt ist. Das muss man immer dazu sagen. Wir merken aber eine sehr große Besorgnis vor Infektionen, gerade bei Eltern von Kindern mit geschwächtem Immunsystem.

Welche Rückmeldungen kommen von den Lehrern/innen? Wie wird die aktuelle Situation wahrgenommen?

 TM: Für uns Lehrer/innen ist Arbeiten auf Distanz natürlich sehr kompliziert. Wir sind Pädagogen/innen, die viel mit den Händen arbeitet, um etwas zu verdeutlichen. Der persönliche Kontakt zu unseren Schülern/innen ist dabei sehr wichtig. Für das Lehrerkollegium ist es eine absolut befremdliche Situation. Auf der anderen Seite ist das Team wirklich total engagiert und probiert ganz viel aus, um den Kontakt zu halten. Man ist ein bisschen hilflos in gewissen Situationen, weil man nicht einfach zu den Familien fahren oder sich mit Kollegen/innen treffen und etwas vorbereiten kann. Alle würden sich wünschen, dass hier wieder Normalität einkehrt und dass sie wieder ganz normal zur Arbeit kommen können. Aktuell versuchen wir einfach das Beste daraus zu machen.

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