Interview mit Maria Heuer (Leitung)

Teresa-Kindergarten / Familienzentrum Warendorf Nord

Stand: 02.04.2020
Fotografie Maria Heuer

Maria Heuer

Wie sah der Alltag in der Einrichtung vor zwei Monaten aus?

MH: An einem ganz normalen Kitatag beginnen wir unseren Dienst morgens um 7:30 Uhr. Die Kinder, die am längsten bleiben, sind bis 16:30 Uhr da. In dieser Zeit bieten wir verschiedene Phasen an, also Freispielphasen, gelenkte Aktivitäten, Mittagessen, Mittagsschlaf, Snackpausen und vieles mehr.

Wie groß ist das Team?

MH: Es gibt fünf Gruppen. In jeder Gruppe arbeiten zwei bis drei Fachkräfte und darüber hinaus zusätzliche Fachkräfte, die bei Bedarf einspringen. In jeder Gruppe arbeiten ebenfalls ein Bufdi* oder ein FOS-Praktikant**. Zusätzlich haben wir noch eine Logopädin, die ins Haus kommt, eine Motopädin, die fest zum Team gehört und eine Küchenhilfe.

Was hat sich seit Beginn der Corona-Pandemie verändert?

MH: Schon bevor die Kita geschlossen wurde, haben Eltern aus dem heilpädagogischen Bereich ihre Kinder nicht mehr zur Kita gebracht, um sie zu schützen. Den Erlass des Ministeriums zur Betreuung der Kinder von Eltern, die in Schlüsselpositionen arbeiten, habe ich an die Eltern weitergeleitet. Da seitens der Eltern kein Bedarf angemeldet wurde, sind ab Montag (16.03.2020) schon keine Kinder mehr in die Einrichtung gekommen. Wir haben uns mit dem Team direkt am Montag getroffen. Wir haben überlegt, welche Aufgaben jetzt anstehen und wie wir weiter vorgehen wollen. Nach der Kitaschließung haben wir erstmal ohne Kinder weitergearbeitet. Wir haben unseren alljährlichen Hausputz gemacht, das komplette Spielzeug gereinigt und Zeit gefunden bestimmte Themen in Ruhe zu besprechen. Also auch Themen unabhängig von der ganzen aktuellen Situation.

Wird aktuell noch gearbeitet?

MH: Nein, wir haben bis zu dem Donnerstag (19.03.2020) gearbeitet. Dann gab es aber vom Ministerium noch mal ein Schreiben, in dem ganz klar gesagt wurde, dass ein Betretungsverbot für die Einrichtung besteht, also für das Personal, um eben Sozialkontakte zu meiden. Am Donnerstag haben wir unsere Arbeit also beendet und sind nach Hause gegangen. Aus dem Homeoffice habe ich die Informationen des Ministeriums an die Kolleginnen und die Eltern weitergeleitet. Wir haben uns auch Gedanken gemacht, wie wir in dieser Situation weiter Kontakt aufnehmen können.

Halten Sie den Kontakt zu den Kindern?

MH: Ja, wir haben eine Aktion gestartet, um den Kindern und Eltern zu zeigen, dass wir weiterhin für sie da sind und an sie denken. Wir haben große DIN A4 Umschläge mit den Namen der Kinder und den Gruppenemblemen gestaltet. In die Umschläge haben wir Bastelmaterial und viele Beschäftigungsmöglichkeiten gepackt, zum Beispiel eine Geschichte und eine Anleitung für ein Rezept, um Knete selber herzustellen. Wir haben Karten mit Tiermotiven zum Ausschneiden gedruckt, ein Rezept für Tassenkuchen und Pizzabrötchen dazugelegt, Rätselaufgaben und ein Fantasiespiel. Und wir haben ein Blatt mit einem Regenbogen in die Umschläge gepackt, den die Kinder zusammen mit den Eltern selber gestalten und ins Fenster hängen können, nach dem Motto „Wir bleiben zuhause“. Die Umschläge haben wir in Tüten gesteckt und an den Zaun der Kita gehängt. Den Kindern haben wir eine Mail geschrieben, in der wir Ihnen gesagt haben, dass es ohne sie im Kindergarten doch sehr langweilig sei, wir sie vermissen, aber leider noch ein paar Wochen warten müssten, bis wir uns wiedersehen dürften. Wir haben Sie dazu eingeladen sich die Überraschungstüten am Zaun der Kita abzuholen.

Sind weitere Aktionen geplant, um den Kontakt zu den Kindern und den Familien aufrecht zu erhalten?

MH: Ja, wir haben im Team schon Ideen gesammelt und werden uns in der kommenden Woche und in der Osterwoche wieder bei den Kindern und ihren Eltern melden.

Wie ist die Stimmung im Team?

MH: Die Stimmung im Team ist gut. Einige Kolleginnen, die Bufdis und FOS-ler unterstützen zurzeit die Kolleginnen in den Freckenhorster Werkstätten, um die Aufträge umsetzen zu können, die sonst durch die Beschäftigten umgesetzt werden.

Sind schon Mitarbeiter/innen erkrankt oder in Quarantäne?

MH: Nein, es sind keine Mitarbeiter/innen erkrankt. Gott sei Dank nicht.

Gibt es einen Moment, der Ihnen in den letzten Tagen besonders in Erinnerung geblieben ist?

MH: Als ich nach der Aktion mit den Überraschungstüten zur Kita gefahren bin, hing neben der Eingangstür ein ganz großes Plakat, auf dem sich die Eltern für die Aktion bedankt und ausgedrückt haben, dass sich die Kinder sehr gefreut haben. Das ist sehr schön zu sehen, dass es uns gelungen ist, die Kinder und Eltern positiv zu stimmen, so motiviert man sich gegenseitig richtig zu handeln und zuhause zu bleiben.

   

*Bufdi: Absolvent des Bundesfreiwilligendienstes (BFD)

**FOS-Praktikant: Fachoberschulpraktikant