Interview mit Antonius Wolters (Geschäftsführer)

Freckenhorster Werkstätten

Stand: 24.04.2020
Fotografie Antonius Wolters

Antonius Wolters

Wie sieht ein normaler Arbeitsalltag in den Freckenhorster Werkstätten aus?

AW: An einem normalen Arbeitstag kommen die Angestellten, Gruppenleiter*innen und Sozialarbeiter*innen gegen 7:30 Uhr an und bereiten sich auf den Tag vor. Ab 7:40 Uhr kommen dann die Menschen mit Behinderung an – mit Bussen, Fahrrädern, ÖPNV oder eigenen Fahrzeugen. Die Beschäftigten gehen dann in die Arbeitsgruppen und beginnen ihren Arbeitsalltag, der von den Gruppenleitern*Gruppenleiterinnen strukturiert und vorbereitet wurde. Unsere Sozialarbeiter*innen haben täglich Abstimmungsgespräche zu unterschiedlichen Themen mit Beschäftigten und Gruppenleitern sowie Angehörigen und Betreuern. Der Führungskreis ist für die organisatorischen Abläufe, Personalplanung, Produktionsplanung sowie Gebäudeplanung in den Zweigstellen verantwortlich.

Wie viele Mitarbeiter*innen arbeiten bei den Freckenhorster Werkstätten?

AW: Bei den Freckenhorster Werkstätten und dem Berufsbildungsbereich arbeiten circa 1540 Menschen mit geistiger, mehrfacher oder psychischer Behinderung. Darüber hinaus arbeiten in den Freckenhorster Werkstätten ca. 350 Angestellte, Gruppenleiter*innen, Sozialarbeiter*innen und Fachangestellte in der Verwaltung an zehn Standorten.

Was hat sich seit Beginn der Corona-Pandemie verändert?

AW: Mit dem Betretungsverbot ist am 17. März an den Freckenhorster Werkstätten praktisch der Stillstand eingetreten. Wir haben eine große Organisationsphase gehabt, um uns mit allen Angehörigen, den Betreuern*Betreuerinnen und den Wohnheimen abzustimmen, da die Menschen mit Behinderung nicht mehr in die Werkstätten kommen durften. Die Fahrdienste für unsere Beschäftigten mussten informiert werden. Wir haben Elternbriefe rausgeschickt, uns strukturiert und uns natürlich darüber ausgetauscht, wie wir den täglichen Kontakt zu den Beschäftigten aufrechterhalten können. 70% der Beschäftigten wohnen zu Hause oder in Wohngemeinschaften und 30% in Wohnheimen. Ein weiteres großes Thema ist die Fortführung der Produktion für unsere Kunden, zum Beispiel für die Firma Claas, die Firma Miele, die Firma Berbel und weitere 100 Firmen. Wir mussten organisieren, wie wir die Arbeit am Laufen halten. Das geht nur in täglichen Abstimmungen, aber eben unter Einhaltung der aktuellen Hygienevorschriften und Abstandsregelungen.

Bieten die Freckenhorster Werkstätten auch eine Notfallbetreuung an?

AW: Ja, für den Fall, dass Beschäftigten zu Hause nicht betreut werden können. Es gibt zurzeit über 30 Beschäftigte, die in unseren Zweigstellen weiter betreut werden.

Was machen die Mitarbeiter*innen aktuell?

AW: Es gibt zwei Schwerpunkte. Zum einen halten unsere Mitarbeiter*innen den Kontakt zu den Menschen mit Behinderung aufrecht. Im beruflichen Bildungsbereich stellen wir Bildungsmaßnahmen online zur Verfügung. In den anderen Bereichen stehen unsere Gruppenleiter*innen und Sozialarbeiter*innen telefonisch mit den Beschäftigten in Kontakt. Zum anderen muss natürlich die Arbeit am Laufen gehalten werden, damit die Entgelte für die Menschen mit Behinderung weitergezahlt werden. Das bedeutet, dass wir für unsere Kunden weiter produzieren und die Gruppenleiter*innen gerade in den Schwerpunktbereichen Schlosserei, Schreinerei, Verpackungsarbeit und Hof Lohmann die tägliche Arbeit leisten müssen. Auf dem Hof sind viele Tiere, die versorgt werden müssen. Diese Arbeit kann nicht eingestellt werden.

Was machen die Beschäftigten aktuell?

AW: Die 30 Beschäftigten, die aktuell hier sind, werden mit in die Arbeit eingebunden. Natürlich unter der Prämisse der Abstands- und Hygieneregeln. Auch im Förder- und Betreuungsbereich gibt es Einzelbetreuungen. Die anderen Beschäftigten sind zu Hause und in den Wohnheimen.

Wie halten die Mitarbeiter*innen den Kontakt zu den Beschäftigten?

AW: Oft über Telefongespräche, aber auch über E-Mail und teilweise über Facebook.  Bei den Wohnheimen ist es so, dass nicht jede*r Beschäftigte von den Gruppenleitern*Gruppenleiterinnen einzeln angerufen wird, sondern dass die Telefonate über die Wohnheimleiter koordiniert werden und dann gebündelt stattfinden. Darüber hinaus haben wir auch zum Beispiel Verpackungsarbeiten in die Wohnheime gegeben, um diese zu unterstützen, damit kein „Lagerkoller“ entsteht.

Sind schon Mitarbeiter*innen oder Beschäftigte erkrankt?

AW: Nein, das ist das große Glück. Bisher gibt es keine Erkrankung in den Werkstätten. Die Rückmeldung habe ich auch von meinen Werkstattleitern aus dem Arbeitskreis der Caritas Werkstätten im Bistum Münster erhaltenen. Es gibt keine direkten Erkrankungen, weder bei Angestellten noch bei Beschäftigten.  Bisher sind wir davon verschont geblieben.

Wie ist die Stimmung unter den Mitarbeitern/innen?           

AW: Die Stimmung ist soweit gut. Natürlich, mit Blick auf die deutschlandweite Lage, sehr angespannt. Es gibt viel Unsicherheit, wie es weitergehen wird.

Gibt es besondere Momente in den letzten fünf Wochen, die Ihnen in Erinnerung geblieben sind?

AW: Ja, besondere Momente erlebe ich in der Zusammenarbeit mit allen Mitarbeitern*Mitarbeiterinnen der Werkstatt und den Mitarbeitern*Mitarbeiterinnen des Caritasverbandes. Insbesondere auch in der Zusammenarbeit mit den Wohnheimen.