Den Kabarettisten sehen, nicht den Mann ohne Arme

Inklusion für den Kreis Warendorf

aus: die Glocke – von A. Sulz
Kreis Warendorf / Freckenhorst (ansu). Drei Jahre lang hatten der Caritasverband im Kreisdekanat Warendorf, das katholische Bildungsforum und der Kreissportbund (KSB) Zeit, 16 Einzelmaßnahmen für das Projekt „Inklusion für den Kreis Warendorf“ umzusetzen. Auf dem Hof Lohmann zogen die Verantwortlichen nun Bilanz und hatten dazu einen besonderen Gast eingeladen.

Volles Hofcafé Lohmann zum Abschluss des Inklusionsprojektes

Volles Hofcafé Lohmann zum Abschluss des Inklusionsprojektes ( Foto Caritas)

Rainer Schmidt brachte die Zuhörer unterhaltsam zum Nachdenken ( Foto Caritas)

Rainer Schmidt brachte die Zuhörer unterhaltsam zum Nachdenken ( Foto Caritas)

„Inklusion heißt vor allem, den Menschen vor mir nicht zuerst mit seiner Behinderung zu sehen.“ Das war nur eine von vielen Definitionen, die Rainer Schmidt den Menschen im Hofcafé ans Herz legte. „Wenn ich auf der Kanzel stehe, bin ich zuerst Pfarrer, nicht zuerst behindert“, führte er sich selbst als Beispiel an. Schmidt ist evangelischer Pastor und zugleich Kabarettist. Er ist ohne Unterarme und mit einem verkürzten rechten Oberschenkel geboren worden, und war deshalb ein Gastredner par excellence für das zentrale Thema des Abends. Denn während Schmidt einen Gag nach dem anderen brachte und dabei weder vor katholischen Würdenträgern noch vor Behinderungen Halt machte, sah man in ihm in erster Linie den Kabarettisten mit bitterbösem Humor, nicht den Mann ohne Unterarme. Darin liege eine ganz wichtige Zutat für gelingende Inklusion: „Sie brauchen Humor“, empfahl Schmidt, „Ehrlichkeit und Mut zu Gefühlen.“
So sehr sein Auftritt die Lachmuskeln trainierte, traf er dabei auch einen Nerv beim Publikum: „Wir werden über viele ihrer Aussagen noch lange nachdenken“, versicherte Projektleiter Josef Hörnemann vom Caritasverband. Caritas-Geschäftsführer Herbert Kraft bewertete die Projektarbeit positiv, betonte vor allem das Engagement der Mitarbeiter. Doch er fand auch deutliche Worte: „Während manch begonnene Initiative fortgeführt wird, können andere Maßnahmen nicht aufrecht erhalten werden. Wenn eine inklusive Gesellschaft von allen demokratischen Parteien gewollt ist, bedarf es der langfristigen Bereitstellung von finanziellen Mitteln durch die öffentliche Hand.“

Ursula Pinnekamp, Geschäftsführerin vom katholischen Bildungswerk, resümierte: „Wir konnten unseren Blick auf das Thema Inklusion weiten und sensibilisieren.“ Das Kursusangebot sei deutlich ausgebaut worden und „wir werden die Bestrebung, Barrieren in Räumen, Köpfen und unserem Programm zu beseitigen, künftig fortsetzen“, versprach sie. „Die drei Jahre haben gezeigt, dass Inklusion im Sport gut möglich ist und alle davon profitieren“, bilanzierte der Präsident des KSB Ferdi Schmal.